Märkische Allgemeine
Potsdam-Mittelmark
16.09.2004

Kerstin Henseke:
Eine mitreißende Fundgrube

  BELZIG

Gabriele Kostas lädt in die Marienkirche zur "Klangreise" ein

Für europäische Gotteshäuser ungewöhnliche Rhythmen und Klänge werden am Sonnabend in der St. Marienkirche Besitz von Raum und Zuhörern ergreifen. Wohl kaum eine Instrumentengattung ist mehr dafür geeignet, ihre Botschaften und Stimmungen durch Fußsohlen und Fingerspitzen, über Haut und Haar ins Blut zu pulsen wie die der Schlaginstrumente. Sie reißen mit und spülen fort, versetzen in Trance und Meditation.

Seit Jahrtausenden und überall auf der Welt. Ihr Material, ob Metall, Holz, Stein, Bambus, Rohr oder Kürbis, Fell oder Draht verleihen ihnen ihr spezielles Wesen, das so vielfältig ist wie alle Sprachen dieser Erde.

Die seit einem Jahr in Belzig lebende Percussionistin Gabriele Kostas hat sich die Sprachen der bekanntesten Rhythmusinstrumente von Südamerika bis zum Fernen Osten an den Orten ihrer Herkunft zu eigen gemacht. Am Sonnabend lädt die heute international gefragte Musikerin mit ihrem ersten Belziger Solokonzert zur "Klangreise" ein.

"Das wird aber kein Ethno-Trommeln", warnt die studierte Philosophin und Kunsthistorikerin, die – bereits während des Studiums von den wohlklingenden harten Congas fasziniert - nach ihrem Abschluss doch lieber dem intensiven Ruf der Musik in die Welt folgte. Was sie in Brasilien, Ghana oder Korea an perfekter Spieltechnik lernte, lässt Gabriele Kostas heute als inspirative Remineszenzen, aber niemals als eigenständige isolierbare Rhythmen in ihre eigenen Kompositionen einfließen. Statt hämmerndem Stakkato und durchlaufenden immergleichen Grooves besitzen ihre Stücke einen dramaturgischen, melodiösen Spannungsbogen und selbstbewusste Eigenständigkeit.

Was Gabriele Kostas an Schlaginstrumenten fasziniert, ist ihr Klang und die Möglichkeit, sie aus ihrer bloßen Begleit- und Hintergrundfunktion zu emanzipieren und mit ihnen Melodien spielen zu können. Unter den außereuropäischen Rhythmen war es vor allem die brasilianische Samba, dessen vielfarbiger Klangteppich aus verschiedenen, gleichzeitig gespielten Percussioninstrumenten gewoben, zur ersten, mitreißenden Fundgrube wurde. Eine Fundgrube ist für Musikfreunde auch das unscheinbar wirkende Haus nahe des Altstadtgrabens, wo die Musikerin mit ihrem Mann lebt. Inmitten üppiger Gartenpracht und einer faszinierenden Fülle von Rhythmusinstrumenten aus aller Welt, von denen am Sonnabend eine Auswahl zu hören sein wird: Schlagzeuge, Becken, Congas, Klangschalen, Daumenklaviere, Xylophone, Djemben, Kalebassen, wunderschön klingende Icebells und eine Glocke mit wunderbar passendem Grundton, die nicht nur so aussieht wie eine Salatschüssel
von Ikea ...

zum Anfang