Die Rheinpfalz, 12.1.2000
Hans-Ulrich Fechler: Trommelschläge im Rhythmus des Herzens

© Enno Kaufhold
Foto: Enno Kaufhold

  Abschlussveranstaltung zur Fotografie-Ausstellung "Lichtseiten" beim Ludwigshafener Kunstverein

... Zum Ausklang der Fotografie-Ausstellung entzündete die Berlinerin ein Feuerwerk aus Melodien und Rhythmen. "Tympanon", ihr eigens für die Ausstellung komponiertes Stück, lässt veschiedene Rhythmen und Melodielinien zu einer neuen Einheit zusammenfließen. Ähnlich vereinigen sich in "Herzschlag" von der gleichnamigen CD der sensationellen Musikerin die aus vier Congas hervorgezauberten Rhythmus- und Melodieebenen zu einem dichten Klanggeflecht. Erst ertönt leise eine Conga allein, dann kommen die anderen hinzu, steigern sich zu einem Furioso und verebben wieder in den leisen Anfang. Nach dem Stück fragt sich die Perkussionistin, warum die ihrem ersten Trommellehrer Francis C. Charles gewidmete Komposition immer genau im Tempo ihres Herzschlags endet. bestimmt das Herz das Tempo oder umgekehrt das Tempo den Herzschlag?

Gabriele Kostas' Stücke haben einen meditativen Charakter, erst recht ihre leisen, wenn sie etwa den Gesang von Rotbauchunken, wie sie ihn auf einem Spaziergang erlauscht und zunächst für Bienensummen gehalten hat, mit einer Klangschale und einer Steeldrum nachahmt.

Mit ihrer Vielfalt an Schlaginstrumenten unternimmt die Musikerin eine Weltreise. Burma-Glocken lässt sie ebenso ertönen wie Reco-Recos, die der brasilianische Karneval liebt, oder ein Schüttelinstrument aus Polen, das sie wegen seiner unaufdringlichen Schönheit ihr Lieblingsinstrument nennt. Aber auch eine billige Salatschüssel, ein Sägeblatt oder ein defektes Rollo erwecken ihre Hände zu musikalischem Leben. Mit einem Plastikeimer imitiert sie die maschinelle Spielweise eines Drum-Computers, über dessen seelenlose Konkurrenz sich die leidenschaftliche Perkussionistin ärgert. Seit 20 Jahren widmet sich Gabriele Kostas der Percussion und hat auf der ganzen Welt Instrumente und Anregungen gesammelt.

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