Der Tagesspiegel
4.12.2001
Roman Rhode: Tanzende Teufelinnen

  Weltmusik

Glänzend ist nicht nur die Garderobe, son­dern auch die Musik. Was die Berliner Sän­gerin Clarissa Pöschel 1999 auf die Beine ge­stellt hat, sucht in Deutschland seinesgleichen: Clarissa y las Diablitas ist das erste Damensalsaorchester, von dem sich sogar die Kubaner überzeugen ließen.
Als einzige deutsche Band nahmen sie letztes Jahr auf Einladung des Grammy-Preisträgers Chucho Valdés am internationalen Jazzfestival in Havanna teil. Dort spielten die exotischen „Teufelinnen“ mit Herbie Hancock auf einer Session, gaben begehrte Autogramme und konnten die Afro-Cuban All Stars als Gäste für ihr Debütalbum gewinnen. Allerdings kommt das Damenseptett auch ohne männliche Prominenz aus. Und dass die Diablitas nicht allein auf einfallsreiche Coverversionen von Celia Cruz, Tito Puente oder Gloria Estefan festgelegt sind, zeigen sie bei ihrem furiosen Auftritt in der Neuköllner Werk­statt der Kulturen. Clarissa Pöschel, die seit 20 Jahren als Jazzsängerin auf der Bühne steht, verpasst dem Swing von Duke Elling­ton ein hinreißendes Latin-Gewand, sorgt mit fülliger Stimme und runden Bewegun­gen jedoch auch bei den Eigenkompositio­nen der Band für das nötige karibische Flair. Dazu gesellt sich ein bisschen Berliner Schnauze - und nicht zuletzt das ausgepräg­te Rhythmusgefühl der Musikerinnen. Die Mischung aus Tanzliedern und Jazzballaden, sattem Groove und harmonischem Feinge­fühl mündet in einen Sound, wie man ihn hier zu Lande nicht erwartet hätte: kubani­scher kann Musik kaum klingen. Den Män­nern bleibt da nur noch die Tanzfläche und der Applaus.

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